Im Ringen um weniger Ausstoß von Klimagas ist eine neue Benzinsorte mit verringertem Anteil fossilen Benzins im Gespräch: Super E20. Der neue Sprit hat einen Anteil 20 Prozent Bioethanol, also Pflanzenalkohol. Durch die Mischung verringert man den Anteil verbrannter fossiler Treibstoffe im Verkehr, da Bioethanol ein nachwachsender Rohstoff ist und somit kein über Jahrmillionen gebundenes Kohlendioxid (CO2) freisetzt.
Die flächendeckende Einführung steht noch aus, den Kraftstoff gibt es nur testweise – an einer einzigen Tankstelle in Deutschland. In Mannheim wird E20 als "Eco 20" seit 2023 gezapft. Verfügbar ist der Kraftstoff für einen geschlossenen Teilnehmerkreis, dazu gehören 85 Fahrzeuge der Südzucker AG.

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Wie sehr verringert Super E20 die CO2-Emissionen?

Hergestellt wird Eco 20 von CropEnergies, einer Tochterfirma des Zuckerproduzenten. Sie stellt seit 2006 Bioethanol her. Als Ausgangsstoff für den Bioethanol-Anteil in Super E20 wird nach Unternehmensangaben Futterweizen verwendet.
In Mannheim kann man Benzin E20 tanken
In Mannheim gibt es den neuen Kraftstoff Super E20 bereits – allerdings nur an einer Tankstelle und für ausgewählte Fahrzeuge.
Bild: picture alliance / Teresa Kroeger/RHR-FOTO
Um seine volle ökologische Wirkung zu entfalten, muss die E20-Beimischung aber aus Abfallstoffen entstehen. Wann das so weit sein könnte, ist derzeit offen. Ein Zwischenergebnis des Versuchs meldete CropEnergies im Herbst 2025: "E20 funktioniert im Alltag", so die Pressemeldung des Unternehmens. Es sei "momentan die kostengünstigste Möglichkeit, den Ottomotor am Klimaschutz zu beteiligen".
Moderne Fahrzeuge würden den Kraftstoff problemlos vertragen. Auch bereits vorhandene Infrastruktur könne genutzt werden. "Die Treibhausgas-Einsparungen werden im Vergleich zu E10 verdoppelt."
"Über eine höhere Beimischungsquote von aktuell maximal 10 auf dann bis zu 20 Prozent Bioethanol ließen sich die Einsparpotenziale noch einmal deutlich steigern", äußerte sich ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze zum Versuchsauftakt.

Wird E20 günstiger als fossiles Benzin?

Das ist derzeit noch offen. Aktuell rechnen Experten mit einem E20-Preis ungefähr auf dem Niveau von E10. Für einen günstigeren Preis könnte eine steuerliche Bevorzugung oder ein reduzierter CO2-Preis sprechen, schließlich reduziert der höhere Bioanteil den CO2-Ausstoß.

Welche Nachteile könnte E20 mit sich bringen?

Zuallererst enthält Ethanol weniger Energie als Benzin, dadurch dürfte sich der Verbrauch um rund zwei bis drei Prozent erhöhen. Auch vertragen nicht alle Motoren den höheren Alkoholanteil. Denn unter hohem Druck und großer Hitze könnte der Alkohol die Aluminiumbauteile von Kraftstoffpumpen angreifen. Falls das Metall korrodiert, könnte das die Systeme undicht machen. Zudem belastet der Sprit Dichtungen und Schläuche: Das Gummi kann aufquellen oder sogar spröde werden.
Dass Ethanol bestimmte Teile von Motor und Kraftstoffsystem angreift, wurde schon bei Einführung von E10 festgestellt. Daher verlangt bereits dieser Kraftstoff eine Freigabe des Herstellers. Bei E20 sind die Auswirkungen potenziell gravierender. Dazu gehören Schäden durch Korrosion an Metallteilen, zum Beispiel Kraftstofftanks, Leckagen an Dichtungen sowie Probleme beim Verbrennungsvorgang.

Welche Modelle können E20 tanken?

Ein Blick auf die Innenseite der Tankklappe hilft: Ist dort ein kreisförmiges Symbol mit der Aufschrift "E20" zu finden, kann der Sprit unbedenklich eingefüllt werden. Im Flottentest wird noch die Verträglichkeit von Super E20 überprüft: Im Einsatz sind Modelle von Audi, Seat, Skoda und VW – ab etwa Modelljahr 2016. Mercedes und BMW hätten bereits die meisten modernen Motoren freigegeben, teilte CropEnergies mit.
Ausnahmen gibt es bei VW für die 2,0-Liter-Turbomotoren mit mehr als 300 PS (221 kW): Sie sind für E20 nicht freigegeben – das betrifft unter anderem den aktuellen Golf R und den GTI Edition 50. Auch andere Hersteller arbeiten an entsprechenden Freigaben. Ältere Autos, insbesondere Klassiker, sollten E20 dagegen nicht tanken.

Wann könnte E20 bundesweit kommen?

Bis die Möglichkeit besteht, den neuen Kraftstoff allgemein zu tanken, wird ohnehin noch etwas Zeit vergehen: Mit einer Markteinführung in Deutschland wird – vorbehaltlich politischer Weichenstellung – nicht vor 2027 gerechnet, aber auch 2028 ist im Gespräch. Ein wichtiger Aspekt ist die Frage, ob eine andere Spritsorte für E20 aus dem Angebot gestrichen wird, denn die Tankstellen haben nur begrenzte Lagermöglichkeiten und vor allem ein begrenztes Angebot an Zapfsäulen. Das spricht gegen ein zusätzliches Angebot an Tankstellen.

Was sagt ein Tankstellenbetreiber zu E20?

Aus dem Tankstellengewerbe gibt es positive Rückmeldungen zu E20. So sagt Axel Niesing, Geschäftsführer bei Anton Willer (im Bundesverband Freier Tankstellen): "Wir würden eine Einführung sehr begrüßen. Viele Motoren vertragen E20 bereits, und ohne Änderungen in der Tankstelleninfrastruktur lassen sich erneut in erheblichem Umfang CO2-Mengen einsparen."
Ein Anteil von 20 Prozent an erneuerbarer Energie im Benzin könnte den Anteil fossiler Energie um den gleichen Wert verringern. Damit wäre E20 beim Verbrenner ein Riesenschritt Richtung Klimaneutralität!